Anwohner pausieren ihre Platanenbesetzung und übergeben große Kiste an neuen Unterschriften für den Erhalt der Platanen
In der Nacht auf den vergangenen Donnerstag (16.8. auf 17.8.) überraschten Karlsruher Anwohner*innen Oberbürgermeister Mentrup mit einer ungewöhnlichen Aktion: Um auf ein Fachgutachten hinzuweisen, das die Harmonie zwischen Platanen und zu verlegenen Leitungen nachweist, kletterten sie auf vier der rodungsbedrohten Platanen in der Karlsruher Kaiserstraße und besetzten diese. Nachdem die Anwohnerinitiative die Protestdauer immer wieder verlängerte, pausiert sie nun nach drei Nächten in den Platanen ihre Rettungsaktion. Mit der Übergabe großer Körbe an neuen Unterschriften zum Platanenerhalt kündigen sie eine Fortsetzung an – sowie weitere Aktionen im öffentlichen Raum.
Viel Zuspruch für Rettungsaktion aus der Bevölkerung
Dass ein Vorstoß aus der Bevölkerung so große positive Resonanz nach sich zieht, ist selten. Nachdem sich erst eine Frau und in der zweiten Nacht noch ein Mann und eine Frau dem Kletterprotest anschlossen, ziehen die Anwohner*innen Bilanz: Mit so viel Zuspruch hätten sie nicht gerechnet. Kaum jemand hätten sie angetroffen, so Mira König (16), der sich wünschte, dass Mentrups Rodungsfantasie umgesetzt wird. Auch online sind die Leserkommentare erstaunlich positiv (siehe exemplarisch bei KA-News).
Die Stadt wies in einer Stellungnahme indes die Anwohnerkritik zurück und inszenierte sich als Opfer einer überregionalen Kampagne von Klimaaktivist*innen – obwohl Karlsruhe derzeit die einzige deutsche Stadt mit einer Innenstadtbaumbesetzung ist.
Ehemaliger Leiter des Gartenbauamts: Stadt hält an veralteten Richtlinien fest
Nun pausieren die ehrenamtlich aktiven Karlsruher ihre Besetzung. “Wir werden die Platanen erneut mit einer Besetzung beschützen”, so Sven Hamich (20), “wenn sich Oberbürgermeister Mentrup weiterhin über das Fachgutachten hinwegsetzt und an veralteten Baurichtlinien festhält”.
Hamich beruft sich damit auf die Facheinschätzung des ehemaligen Leiters des städtischen Gartenbauamts, Prof. Dr. Robert Mürb. Dieser ordnete bereits Mitte Dezember 2020 das Verhalten der Stadt ein:
Die Stadt verteidigt ihre umstrittenen Rodungspläne mit einer veralteten DVGW-Richtlinie. In dem aktuellen Regelwerk “Richtlinien für Leitungsverlegungen im Wurzelbereich von Bäumen” formuliert der verantwortliche Ingenieurfachverband für Versorgungsleitungen dagegen verbindliche Hinweise für die Verträglichkeit von Leitungen und Wurzelwerk gegeben.
Große Körbe mit Unterschriften an Oberbürgermeister Mentrup
Der rückstandsfreie Abbau des Seilnetzwerks in den vier besetzten Platanen, um den das Ordnungsamt die Anwohner geboten gebeten hatte, findet am heutigen Samstag (19.8.2023) um 16:00 Uhr statt. Wie auch beim Aufbau wird eine profesionelle Baumpflegerin die Seil- und Knotenarbeit begleiten. Zu einer polizeilichen Räumung durch das Spezialeinsatzkommando, wie Ende 2020 in Ravensburg oder im Mai 2021 in Passau bei ähnlich gelagerten Aktion, wird es daher aller Voraussicht nach nicht kommen.
Die beteiligten Anwohner hoffen für den gemeinsamen Abbau auf ein persönliches Erscheinen von Oberbürgermeister Mentrup. Ihm möchten sie große Körbe an neuen Unterschriftenpostkarten zur Rettung der Platanen überreichen.
Ein Elternverband hatte bereits vergangenes Jahr knapp 4000 Unterschriften mit einer Petition gesammelt. Allein am gestrigen Freitag kamen 366 neue an Mentrup adressierte Postkarten zusammen.
Nachdem die Anwohnerinitiative über die Besetzungszeit zahlreiche neue Mitglieder verzeichnen konnte, kündigt sie für die nächsten Tage und Woche mehrere weitere Aktionen im öffentlichen Raum an. Bürger*innen, die auf dem Laufenden bleiben möchten, können sich auf www.karlsruher-platanen-bleiben.de in einen Mailverteiler eintragen lassen.
Programm für den heutigen Samstag (19.8.2023)
- 10:00 Gemütlicher Brunch
- 12:00 Kletterworkshop für Einsteiger*innen
- 13:00 Offene Planungsrunde für weitere Aktionen
- 14:00 Konzert
- 16:00 Abbau des Seilnetzwerks